Audiobookshelf v2.36.0: selbst gehosteter Hörbuch- und Podcast-Server im Detail
Selbstgehosteter Hörbuch- und Podcast-Server. Kindle) Offene RSS-Feeds für Podcasts und Hörbücher. Gibt es eine Funktion, nach der Sie suchen?
Auf einen Blick
- Was ist das?
- advplyr/audiobookshelf bündelt Streaming, Podcast-Abonnements, Kapitelbearbeitung und Mehrbenutzer-Fortschritt unter GPL-3.0. Der Blick gilt der Ordnerstruktur-Vorgabe, dem Reverse-Proxy-Pfad und dem eingefrorenen Vue-Frontend.
- Für wen ist es gedacht?
- Audiobookshelf lohnt sich für Haushalte und kleine Gruppen, die eine eigene Hörbuchsammlung mit getrennten Fortschritten und automatischen Podcast-Downloads verwalten wollen und Kapitel sowie Metadaten selbst in der Hand behalten möchten. Weniger geeignet ist es für alle, die eine fertige, stabile Oberfläche erwarten, denn das Vue-Frontend nimmt keine Beiträge mehr an und die React-Umsetzung ist angekündigt, aber nicht terminierbar.
- Darf ich es kommerziell nutzen?
- Ja, unter Bedingungen. GPL-3.0 ist eine Copyleft-Lizenz: Wenn Sie Software weitergeben, die sie enthält, müssen Sie deren Quellcode unter derselben Lizenz veröffentlichen. Wer sie nur intern betreibt, ohne sie weiterzugeben, löst diese Pflicht nicht aus.
- Wird es noch gepflegt?
- Ja. Die letzten Commits kamen vor 4 Tagen.
- In welcher Sprache ist es geschrieben?
- Hauptsächlich JavaScript, laut der Sprachstatistik von GitHub.
Die Antworten beruhen auf den GitHub-Daten des Projekts (zuletzt abgeglichen am 14. September 2026) und auf unserer Analyse. Sie sind keine Rechtsberatung.
TIEFGEHENDE OPEN-SOURCE-ANALYSE
Was Audiobookshelf v2.36.0 selbst hostet
Audiobookshelf beschreibt sich im README als selbst gehosteter Server für Hörbücher und Podcasts. Die Codebasis ist in JavaScript geschrieben, als Standardzweig dient master, und die jüngste erfasste Version trägt die Bezeichnung v2.36.0 vom 27. Juli 2026. Davor liegen v2.35.1 vom 28. Mai und v2.35.0 vom 17. Mai 2026.
Die Funktionsliste ist lang und stellenweise ungewöhnlich konkret. Gestreamt werden alle Audioformate, ohne vorherige Konvertierung. Podcasts lassen sich suchen und mit automatischem Download abonnieren. Mehrere Konten arbeiten mit eigenen Rechten nebeneinander, und der Hörfortschritt wird pro Konto geführt und über Geräte hinweg synchronisiert. Änderungen an der Bibliothek erkennt der Server selbst, ein erneutes Einlesen ist laut README nicht nötig.
Dazu kommen eine Kapitelbearbeitung mit Abfrage über die Audnexus API unter audnex.us, das Zusammenführen mehrerer Audiodateien zu einer einzigen m4b und das Einbetten von Metadaten samt Cover in die Audiodateien selbst. Metadaten und Cover lassen sich von mehreren Quellen holen. Chromecast wird in der Weboberfläche und in der Android-App unterstützt, die Weboberfläche ist als Progressive Web App installierbar.
Bibliotheksstruktur: Ordner- und Dateinamen als harte Vorgabe
Der Abschnitt zur Medienorganisation stellt eine Bedingung voran, die in Großbuchstaben steht und die gesamte Einrichtung trägt: Verzeichnisstruktur und Ordnernamen sind für Audiobookshelf verbindlich. Wer eine gewachsene Sammlung mit eigener Namenslogik mitbringt, muss sie vor dem ersten Einlesen umbauen oder mit falsch zugeordneten Büchern leben. Welche Strukturen genau unterstützt werden und wie Metadaten in Audiodateien ausgewertet werden, steht in den Bibliotheksdokumenten unter audiobookshelf.org/docs/category/libraries, nicht im README.
Der Uploadweg ist großzügiger: Bücher und Podcasts lassen sich per Drag and Drop ganzer Ordner in Mengen hochladen. Für die Sicherung nennt das README zwei getrennte Dinge, die Sicherung der Metadaten und automatische tägliche Sicherungen. An welcher Stelle diese Sicherungen landen, wie lange sie aufgehoben werden und ob sie sich auf dieselbe Platte schreiben lassen, ist nicht angegeben.
Diese drei Punkte zusammengenommen ergeben ein klares Bild der Zielgruppe: Audiobookshelf belohnt eine ordentlich sortierte Sammlung und bestraft eine gewachsene. Die automatische Erkennung von Bibliotheksänderungen ist nur dort ein Vorteil, wo die Struktur stimmt.
Reverse Proxy: Websocket und der feste Pfad /audiobookshelf
Beim Betrieb hinter einem Reverse Proxy nennt das README zwei Punkte, die man kennen sollte, bevor der erste Fehler mit dem Status 502 auftaucht. Erstens braucht Audiobookshelf eine Websocket-Verbindung. Eine Proxy-Konfiguration, die nur gewöhnliches HTTP weiterreicht, bricht Teile der Oberfläche ab, weil Aktualisierungen aus dem Server dann nicht ankommen. Zweitens ist der Betrieb in einem Unterordner ohne weitere Anpassungen möglich, aber ausschließlich unter dem festen Pfad /audiobookshelf, der sich nicht ändern lässt. Der Hintergrund dazu liegt in Diskussion 3535, die Einzelheiten in den Reverse-Proxy-Dokumenten.
Diese Festlegung ist ungewöhnlich starr. Wer mehrere Dienste unter einem Hostnamen bündelt und eigene Pfadnamen pflegt, muss hier eine Ausnahme machen und kann nicht einfach /hoerbuecher verwenden. Eine Begründung für die Vorgabe liefert das README nicht, und ob sich der Pfad über eine Umgebungsvariable überschreiben lässt, ist in der Dokumentation nicht angegeben.
Von der Quelle starten: Node.js 20, FFmpeg und dev.js
Wer nicht das fertige Image, sondern den Quellstand betreiben will, braucht laut README Node.js in Version 20 sowie FFmpeg. Danach wird im Wurzelverzeichnis eine Datei namens dev.js angelegt, die Pfade und Konfiguration der eigenen Umgebung aufnimmt. Eine Vorlage liegt unter .devcontainer/dev.js. Der Aufbau des Clients folgt anschließend in vier Schritten: npm ci, dann cd client, dort erneut npm ci, danach npm run generate und zurück ins Wurzelverzeichnis.
Im Betrieb startet npm run dev den Server, und die Weboberfläche liegt standardmäßig auf localhost:3333. Dieser Port lässt sich in dev.js anpassen. Änderungen am Server verlangen einen Neustart. Änderungen am Client erfordern (cd client; npm run generate) und ebenfalls einen Neustart. Für Arbeiten an der Oberfläche gibt es einen Weg mit Live-Reload: Server starten, dann (cd client; npm run dev) in einer zweiten Instanz ausführen.
Der bequemere Einstieg für Beitragende ist das Dev-Container-Setup mit Docker Desktop und VSCode. Die Installationsbefehle stehen im README je Plattform hinter Klappmenüs: winget install -e --id Docker.DockerDesktop unter Windows, brew install --cask docker visual-studio-code unter macOS, sudo snap install docker unter Linux. Danach folgen die Erweiterung Remote Development und die Aktion Dev Containers: Rebuild and Reopen in Container.
Vue-Frontend eingefroren, Migration nach React läuft
Die auffälligste Zeile im README steht ganz oben, noch vor der Projektbeschreibung, und trägt ein Warnzeichen: Pull Requests für das bestehende Vue-Frontend werden weder geprüft noch zusammengeführt. Das Frontend wird derzeit nach React überführt und soll in Kürze verfügbar sein.
Für jemanden, der eine Korrektur an der Oberfläche beisteuern will, heißt das: abwarten oder Arbeit in Code stecken, der abgelöst wird. Für den Betrieb heißt es, dass sich Bedienelemente und Abläufe ändern können, ohne dass eine Übergangsphase beschrieben wäre. Ein Zeitplan, eine Liste der betroffenen Ansichten oder ein Migrationspfad für selbst gebaute Erweiterungen stehen nicht im README.
Dass dieser Hinweis an so prominenter Stelle steht, spricht für offene Kommunikation. Es senkt aber die Planbarkeit für jeden, der Audiobookshelf in einer Umgebung einsetzt, in der sich die Oberfläche nicht jeden Monat ändern darf.
iOS-Beta voll und der Ausweg über offene RSS-Feeds
Die mobile Seite ist uneinheitlich. Die Android-App wird als Beta über den Google Play Store verteilt, Paketname com.audiobookshelf.app. Bei iOS ist die Beta zum Zeitpunkt der Erfassung voll, weil Apple laut README eine harte Grenze von 10.000 Testpersonen setzt. Neue Plätze werden über Discord bekannt gegeben. Wer ein iPhone einsetzen will, hat damit keinen Weg über TestFlight, sondern muss auf die Weboberfläche oder die bereitgestellten Feeds ausweichen.
Genau dort liegt ein belastbarer Ausweg, und er ist im README angelegt: Audiobookshelf stellt offene RSS-Feeds für Podcasts und Hörbücher bereit. Ein gewöhnlicher Podcast-Client kann diese Feeds abonnieren, ohne dass Audiobookshelf-Apps beteiligt sind. Der Preis dafür ist der Verlust aller Funktionen, die an den Server gebunden sind. Kein Hörfortschritt pro Konto, keine Synchronisation zwischen Geräten, kein Kapiteleditor, kein Zusammenführen zu m4b. Wer nur hören will, kommt damit aus.
Die Ebook-Unterstützung ist ausdrücklich als grundlegend bezeichnet. Verarbeitet werden epub, pdf, cbr und cbz, und Bücher lassen sich an ein Lesegerät senden, als Beispiel nennt das README den Kindle. Ein vollständiger Ersatz für eine Lesegerät-Verwaltung ist das nach dieser Beschreibung nicht.
GPL-3.0: Folgen für einen selbst gehosteten Server
Das Repository steht unter GPL-3.0. Wer den Server ausschließlich für sich selbst betreibt, merkt davon im Alltag wenig, weil keine Weitergabe stattfindet. Wer ihn verändert und die Änderung weitergibt, etwa als angepasstes Container-Image oder als gehosteten Dienst für andere, unterliegt den Copyleft-Bedingungen dieser Lizenz und muss den Quellstand der Änderung offenlegen. Eine rechtliche Bewertung gehört nicht hierher, aber die Konsequenz ist handfest: Ein proprietärer Abkömmling lässt sich mit dieser Lizenz nicht vereinbaren.
Übersetzungen laufen über Weblate, das die Infrastruktur laut README unentgeltlich bereitstellt. Wer Audiobookshelf in einer weiteren Sprache sehen will, trägt dort bei; ein Hinweis auf den Ablauf liegt unter audiobookshelf.org/faq. Wie viele Sprachen bereits vollständig übersetzt sind und ob Deutsch dazugehört, ist nicht angegeben.
Wartung und Updatekosten hängen an zwei Stellen, die das Material nennt: der Umstieg des Frontends auf React und die Kopplung an Node.js 20. Wer heute aufsetzt, sollte die Versionsangaben auf der Releases-Seite im Blick behalten, statt auf ein festes Intervall zu vertrauen, das nirgends zugesagt wird.
Redaktionelles Fazit
Audiobookshelf lohnt sich für Haushalte und kleine Gruppen, die eine eigene Hörbuchsammlung mit getrennten Fortschritten und automatischen Podcast-Downloads verwalten wollen und Kapitel sowie Metadaten selbst in der Hand behalten möchten. Weniger geeignet ist es für alle, die eine fertige, stabile Oberfläche erwarten, denn das Vue-Frontend nimmt keine Beiträge mehr an und die React-Umsetzung ist angekündigt, aber nicht terminierbar. Der erste Prüfschritt ist deshalb keine Installation, sondern ein Blick in die Bibliotheksdokumente unter audiobookshelf.org/docs/category/libraries.
Community-Notizen