FISSURE: SDR-Werkzeugkasten von der Signalaufnahme bis zur TAK-Meldung
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Auf einen Blick
- Was ist das?
- FISSURE bündelt SDR-Software, Bibliotheken und Referenzmaterial in einem Framework für Signalerfassung, Protokollarbeit und verteilte Sensorknoten. Der Überblick behandelt die drei Startbefehle, die Sensor-Node-Konfiguration, den Installer, die Hardwareliste und die Abgrenzung zum Produktpfad Fracture.
- Für wen ist es gedacht?
- FISSURE passt zu Funkpraktikern, Lehrenden und Forschenden, die SDR-Arbeitsschritte in einer Umgebung bündeln wollen und bereit sind, GNU Radio und PyQt5 selbst aufzusetzen. Weniger geeignet ist es für Einsatzszenarien, die fertige Abbilder oder garantierte Reaktionszeiten brauchen: Vorgefertigte Container und ISO-Images sind laut README geplant, aber nicht verfügbar, und die ATAK-Anbindung befindet sich in aktiver Entwicklung.
- Darf ich es kommerziell nutzen?
- Ja, unter Bedingungen. GPL-3.0 ist eine Copyleft-Lizenz: Wenn Sie Software weitergeben, die sie enthält, müssen Sie deren Quellcode unter derselben Lizenz veröffentlichen. Wer sie nur intern betreibt, ohne sie weiterzugeben, löst diese Pflicht nicht aus.
- Wird es noch gepflegt?
- Ja. Die letzten Commits kamen vor 2 Tagen.
- In welcher Sprache ist es geschrieben?
- Hauptsächlich Python, laut der Sprachstatistik von GitHub.
Die Antworten beruhen auf den GitHub-Daten des Projekts (zuletzt abgeglichen am 14. September 2026) und auf unserer Analyse. Sie sind keine Rechtsberatung.
TIEFGEHENDE OPEN-SOURCE-ANALYSE
Was FISSURE als RF-Framework zusammenführt
FISSURE steht für Frequency Independent SDR-based Signal Understanding and Reverse Engineering. Das Projekt von Assured Information Security, kurz AIS, wird in der Repository-Beschreibung als RF- und Reverse-Engineering-Framework für alle bezeichnet. Es ist in Python geschrieben, steht unter GPL-3.0 und liegt bei 2034 Sternen, 142 Forks und 8 offenen Issues. Als Standard-Branch ist Python3 eingetragen, der letzte Eintrag im Material stammt vom 21. Januar 2026 mit dem Release-Tag Python3_20260121.
Die README richtet sich an zwei Gruppen zugleich. Operateure bekommen ein Werkzeug für Signalerfassung, Klassifikation, Protokollerkundung, Fuzzing und Schwachstellenanalyse samt Echtzeitanbindung an TAK. Lehrende und Forschende bekommen eine gemeinsame Umgebung, in der sich SDR- und Reverse-Engineering-Methoden ausprobieren und veröffentlichen lassen. Der Anspruch ist, Software, Bibliotheken und Referenzmaterial so zu bündeln, dass dieselben Abläufe auf Desktop, Laptop, Einplatinenrechner oder verteilten taktischen Knoten laufen. Benchmarks, mit denen sich dieser Anspruch prüfen ließe, nennt das README nicht.
Dashboard mit fissure, HIPRFISR und fissure-sensor-node: drei Startbefehle
Der Arbeitsalltag verteilt sich auf drei Startpunkte. Die grafische Oberfläche wird mit dem Befehl fissure gestartet, und die README betont ausdrücklich, dass dieser Aufruf ohne sudo aus einem Terminal erfolgen soll. Der Headless-Hub trägt den Namen HIPRFISR und startet mit fissure-hiprfisr; er verbindet sich laut README automatisch mit einem TAK-Server, während entfernte Knoten ohne weiteres Zutun beitreten.
Als drittes gibt es fissure-sensor-node für verteilte Sensoren. Die zugehörige Konfiguration liegt in der Datei default.yaml unter YAML/Sensor_Node_Config/, wo unter anderem nickname, hiprfisr_ip_address und hardware gesetzt werden. Zusätzlich müssen Zertifikate zwischen Client und Server passen. Zur Kapazität heißt es in der README, ein lokaler und bis zu vier entfernte Sensorknoten würden unterstützt, alternativ fünf entfernte. Wie sich diese Grenze verschieben lässt, steht nicht im Text.
Installation über ./install: die Modi full, base, Dashboard, HIPRFISR, SensorNode und custom
Die Installation beginnt mit dem Klonen des Repositorys und dem Aufruf von ./install. Der Installer prüft PyQt-Abhängigkeiten und fragt Betriebssystem und Modus ab. Zur Auswahl stehen full, base, Dashboard, HIPRFISR, SensorNode und custom, womit sich eine Rolle gezielt aufsetzen lässt, ohne den gesamten Umfang zu installieren.
Bei den Branches ist die Lage eindeutig: Der Branch Python3 trägt den aktuellen Code und unterstützt PyQt5 mit GNU Radio 3.8 und 3.10. Der Branch Python2_maint-3.7 gilt als veraltet und wird nur noch gepflegt, weil manche Werkzeuge Dritter GNU Radio 3.7 oder alte Betriebssysteme brauchen. Die README empfiehlt den Python3-Branch gegenüber den GitHub-Releases, die sie als Archiv-Snapshots beschreibt, die hinter der Entwicklung zurückbleiben können. Für Apptainer existiert neuere Unterstützung, beschrieben für Ubuntu 24.04, wobei der Installer rollenspezifische Umgebungen bauen kann.
Hardware mit unterschiedlichem Integrationsgrad und die vierzehn Lektionen
Die Hardwareliste fällt breit aus, mit dem ausdrücklichen Zusatz, dass die Geräte unterschiedlich stark integriert sind. Genannt werden USRP-Modelle X3xx, B2xx, B20xmini, USRP2, N2xx und X410, dazu HackRF, RTL2832U, 802.11-Adapter, LimeSDR, bladeRF und bladeRF 2.0 micro, Open Sniffer, PlutoSDR sowie SDRplay RSPduo, RSPdx und RSPdx R2.
Welches Gerät wie tief eingebunden ist, verrät die README nicht, und genau diese Angabe fehlt bei der Anschaffung. Für den Einstieg in die Methode enthält das Repository vierzehn Lektionen, die von OpenBTS über Lua-Dissectoren, SoX, ESP-Boards, Radiosonden-Tracking und RFID bis zu TPMS, Amateurfunkprüfungen, Wi-Fi-Werkzeugen, bootbaren USB-Sticks, Z-Wave und Deckenventilatoren reichen. Ergänzend läuft die FISSURE Challenge, eine CTF-Veranstaltung rund um das Framework, zu der Beiträge aus der Community ausdrücklich erwünscht sind.
WinTAK, ATAK und die TAK-Server-Einrichtung mit connect_mode
Die TAK-Anbindung zieht sich durch mehrere Abschnitte der README. Für WinTAK werden Knotenverwaltung, Alarme, Ziele, Erkennungen, Artefakte, Plugin-Auswahl, Aktionsausführung und verteilte Sensorknoten genannt. ATAK ist als in aktiver Entwicklung befindlich ausgewiesen, wer also auf Android arbeitet, sollte den Stand vorab prüfen.
Für die Einrichtung eines lokalen TAK-Servers beschreibt das README den Weg über ein Docker-Archiv von tak.gov, den Aufruf des TAK-Server-Installationspunkts und das Setzen von connect_mode in der YAML-Benutzerkonfiguration. Der abschließende Schritt, ein FISSURE-Effekt, der einen TAK-Alarm auslöst, ist im README als Beispiel angekündigt, aber noch nicht ausformuliert. Wer diese Kette aufbauen will, braucht also zusätzlich die Konfigurationsdateien und sollte den Ablauf an einem eigenen Server nachvollziehen, statt sich auf die README-Beispiele zu verlassen.
Fähigkeitsliste, White Papers und der interaktiven Roadmap unter ainfosec.github.io
Die aufgeführten Fähigkeiten reichen vom Erkennen, Klassifizieren und Analysieren von Signalen über das Sammeln, Abspielen und Manipulieren von IQ-Daten bis zum Bauen eigener Pakete, zum Fuzzing und zum Archivieren von Signalen in Wiedergabelisten. Hinzu kommen die Koordination verteilter Sensorknoten, die Geolokalisierung von Sendern und die Automatisierung mit KI- und ML-Integration.
Vertiefendes Material liegt in neun White Papers, darunter ein technischer Architekturbericht sowie Anwendungen für Counter-UAS, Maritime, Fahrzeugsysteme, Perimeter-Verteidigung, Ausbildung und TAK-Integration. Die Prioritätenliste der README nennt fünf Felder: die Plugin- und Aktionsarchitektur, WinTAK- und ATAK-Workflows, Installation und Paketierung, taktische Knoten samt Netzwerkwegen wie Mobilfunk, Starlink und Mesh sowie Geolokalisierung, Peilung und elektronische Unterstützung. Aktueller als die README ist die interaktive Roadmap unter ainfosec.github.io/FISSURE/Roadmap/, die laut Projekt jedes Jahr im Juli aktualisiert wird.
Wo FISSURE an Grenzen stößt und was Fracture als Produktpfad anders macht
Die deutlichste Lücke betrifft die Auslieferung. Vorgefertigte Container und ISO-Images sind in der README als geplant vermerkt, stehen aber nicht bereit, und die Installation setzt eine funktionierende GNU-Radio- und PyQt-Umgebung voraus. Die Hardwareliste bleibt ohne Angaben zum Integrationsgrad, ATAK ist unfertig, und die TAK-Beispiele sind teilweise nur angekündigt. Hinzu kommt die GPL-3.0: Wer FISSURE verändert und weitergibt, muss den Quellcode unter derselben Lizenz offenlegen und Änderungen kennzeichnen. Für ein internes Werkzeug ist das folgenlos, für ein eingebettetes Produkt nicht.
Genau an dieser Stelle setzt Fracture an, das im README als einsatzfähiges taktisches RF-System von AIS auf Basis von FISSURE beschrieben wird. Der Unterschied liegt in der Produktisierung: Fracture liefert feste Hardwarekonfigurationen für Standort, Fahrzeug, Manpack, Kleindrohne und Starrflügel, einen zentralen Hub, der Edge-Knoten über IP-Netze und weitreichende Funkstrecken koordiniert, und einen kommerziellen Supportweg. Die README erwähnt kommerziellen Support durch AIS, nennt aber keine Service-Level. Wer das Framework selbst erweitern und die Kosten niedrig halten will, bleibt bei FISSURE. Wer einsatzfähige Hardware mit Ansprechpartner braucht, für den ist der Weg über Fracture beschrieben.
Redaktionelles Fazit
FISSURE passt zu Funkpraktikern, Lehrenden und Forschenden, die SDR-Arbeitsschritte in einer Umgebung bündeln wollen und bereit sind, GNU Radio und PyQt5 selbst aufzusetzen. Weniger geeignet ist es für Einsatzszenarien, die fertige Abbilder oder garantierte Reaktionszeiten brauchen: Vorgefertigte Container und ISO-Images sind laut README geplant, aber nicht verfügbar, und die ATAK-Anbindung befindet sich in aktiver Entwicklung. Vor der Installation klären: Welcher Branch passt zur vorhandenen GNU-Radio-Version, welcher Installationsmodus wird gebraucht, und ist die eigene Hardware in der Liste mit dem nötigen Integrationsgrad vertreten. Wer kommerziellen Support und integrierte Hardware braucht, findet mit Fracture den von AIS beschriebenen Produktpfad.
Community-Notizen