Open-Source-Projekt
benjamimgois/goverlay avatar
benjamimgois/goverlay

Goverlay 1.9.0: das Steuerpult für MangoHud, vkBasalt und OptiScaler

Goverlay ist eine einfache grafische Oberfläche zum Konfigurieren von Linux-Gaming-Anwendungen.

1.483 Sterne66 ForksPascalGPL-3.0
GitHub

Auf einen Blick

Was ist das?
Eine Qt6-Oberfläche für Linux-Spieler, die Overlay-, Postprocessing- und Upscaling-Tools konfiguriert, spielspezifische Konfigurationsordner anlegt und Startbefehle für Steam und Lutris erzeugt.
Für wen ist es gedacht?
Goverlay eignet sich für Linux-Spieler, die MangoHud, vkBasalt und OptiScaler über eine Oberfläche pflegen wollen, ohne Konfigurationssyntax zu studieren. Weniger geeignet ist es, wer seine Dateien ohnehin von Hand schreibt oder auf GameMode und protontricks im Flatpak-Build angewiesen ist.
Darf ich es kommerziell nutzen?
Ja, unter Bedingungen. GPL-3.0 ist eine Copyleft-Lizenz: Wenn Sie Software weitergeben, die sie enthält, müssen Sie deren Quellcode unter derselben Lizenz veröffentlichen. Wer sie nur intern betreibt, ohne sie weiterzugeben, löst diese Pflicht nicht aus.
Wird es noch gepflegt?
Ja. Die letzten Commits kamen vor 1 Tag.
In welcher Sprache ist es geschrieben?
Hauptsächlich Pascal, laut der Sprachstatistik von GitHub.

Die Antworten beruhen auf den GitHub-Daten des Projekts (zuletzt abgeglichen am 15. September 2026) und auf unserer Analyse. Sie sind keine Rechtsberatung.

TIEFGEHENDE OPEN-SOURCE-ANALYSE

Goverlay als Qt6-Frontend für MangoHud und Co.

Wer unter Linux Performance-Overlays und Postprocessing will, stapelt mehrere Werkzeuge mit unterschiedlichen Konfigurationsformaten: MangoHud für das Overlay, vkBasalt oder vkSumi für Vulkan-Effekte, OptiScaler für Upscaling und Framegenerierung, dazu Proton-Umgebungsanpassungen. Goverlay fasst genau diese Werkzeuge hinter eine kartenbasierte Qt6-Oberfläche. Es erzeugt die Konfigurationsdateien und Startbefehle, die man anschließend in Steam oder Lutris einfügt.

Das Projekt ist in Free Pascal geschrieben, stammt von einem Netzwerkingenieur als Beitrag zur Linux-Gaming-Community und steht unter GPL-3.0. Nach Repository-Metadaten zählt es rund 1.459 Sterne bei 65 Forks, 82 offene Issues weisen auf aktive Entwicklung. Die Release-Historie bewegt sich schnell: Goverlay 1.8.11 erschien am 5. August 2026, Version 1.9.0 am 22. August 2026, dazu gibt es einen Nightly-Build. Die Frage, die sich bei jedem GUI-Generator stellt, lautet: Wie tief greift er in das System? Bei Goverlay ist die Antwort ein klarer Mechanismus, den das README als Game-Mode-Architektur beschreibt.

Game Mode: ein XDG-Ordner pro Spiel mit MangoHud.conf und bgmod.conf

Wählt man in Goverlay ein Spiel aus, wechselt die Anwendung in den Game Mode und legt für dieses Spiel ein XDG-konformes Konfigurationsverzeichnis an. Dort landen MangoHud.conf, vkBasalt.conf, vkSumi.conf, OptiScaler.ini, fakenvapi.ini, bgmod.conf und die bgmod-Wrapper-Binärdatei. Der Datenfluss ist damit nachvollziehbar: Einstellungen in der Oberfläche erzeugen Dateien in einem Spielordner, kein globales Umkonfigurieren des Systems. Ein Eingabefeld unten im Fenster zeigt den spielspezifischen bgmod-Befehl mit %command%-Suffix, fertig zum Einfügen in die Steam-Startoptionen.

Dieses Modell hat einen praktischen Vorteil: Jede Anpassung lässt sich pro Spiel rückverfolgen, weil jede Konfiguration in einem eigenen Verzeichnis liegt. Das README erwähnt allerdings keine Möglichkeit, Einstellungen zwischen Spielen zu kopieren oder zu vererben; wer gemeinsame Basiskonfigurationen sucht, muss das über die Dateien selbst lösen.

Der bgmod-Wrapper: ein Free-Pascal-Binary statt eines Bash-Skripts

Der eigentliche Klebestoff zwischen Steam und den Werkzeugen ist bgmod, ein kompiliertes Free-Pascal-Binary, das den älteren fgmod-Ansatz ersetzt. Beim Spielstart fängt bgmod die Ausführungsargumente ab, exportiert die Umgebungsvariablen aus bgmod.conf, richtet Wine-DLL-Overrides ein und kopiert Upscaler-Binärdateien oder Plugins in den Spielordner. Es unterstützt den Ersatz von Launcher-EXEs und die automatische Erkennung von Unreal-Engine-Shipping-EXEs.

Für die Diagnose protokolliert bgmod an drei Orte: nach /tmp/bgmod.log, in das Spielverzeichnis und nach ~/.local/share/goverlay/logs/[Spielname]/. Mit bgmod-uninstaller existiert ein eigenes Deinstallationsprogramm, das Wrapper-Dateien entfernt und ursprüngliche Backups wiederherstellt. Diese Rückbau-Möglichkeit ist wertvoll, weil Wrapper, die sich in Startbefehle einklinken, sonst Rückstände hinterlassen können.

PasCube: die eingebauten Vulkan-Vorschau aus der PasVulkan-Engine

Die schnellste Runderprobe der eigenen Einstellungen erfolgt, bevor ein Spiel überhaupt startet: Goverlay bringt PasCube mit, eine vollständige Vulkan-Demo auf Basis der PasVulkan-Engine. Die Demo startet automatisch oder auf Anforderung und zeigt MangoHud-, vkBasalt- und vkSumi-Einstellungen in Echtzeit, die Titelleiste und das Overlay tragen die aktuelle Goverlay-Version.

Damit ist der Feedback-Zyklus kurz geschlossen: Einstellung ändern, Vorschau betrachten, nachjustieren. Das ist mehr als eine Schönheit, denn Overlay- und Effektkonfigurationen entfalten ihre Wirkung erst im Rendervorgang, und eine Demo ohne Gameplay-Last zeigt sie trotzdem sichtbar. Das README nennt die Demo als integrierten Bestandteil, nicht als separate Installation.

Abhängigkeiten: mangohud ab 0.6.4 Pflicht, qt6pas als Stolperstein

Vorausgesetzt werden mangohud, git, qt6pas, gamemode und eine Nerd Font für die Icon-Glyphen der Seitenleiste. Optionale Bausteine sind vkBasalt, vksumi, lsfg-vk für Framegenerierung, zenergy für AMD-CPU-Leistungsmetriken und protontricks für Proton-Präfixe. Eine harte Regel steht mit Versionsbezug im README: Seit Version 0.6.4 muss MangoHud installiert sein, damit Goverlay überhaupt startet.

Der heikelste Baustein ist qt6pas, die Qt6-Bindung für Free Pascal, die in manchen Distributionen fehlt. Das README verweist auf das Separate-Repository von David Bannon und zeigt für Ubuntu den Weg über wget und dpkg -i mit dem Paket libqt6pas6_6.2.8-1_amd64.deb. Für Quellcode-Builds braucht es zusätzlich die Lazarus-IDE mit Qt6-Widgetset und make.

Installationswege: Flathub, AppImage, pacman, zypper, eopkg

Goverlay verteilt sich über mehrere Kanäle. Auf Flathub läuft es mit flatpak install flathub io.github.benjamimgois.goverlay, wobei die Vulkan-Layer getrennt installiert werden müssen, etwa org.freedesktop.Platform.VulkanLayer.MangoHud//25.08 und das Pendant für vkBasalt, dazu das vkSumi-Flatpak von dessen GitHub-Seite. Das AppImage von der Releases-Seite wird mit chmod +x ausführbar gemacht. Arch bietet goverlay im offiziellen Repository (pacman -S goverlay) und goverlay-git im AUR, openSUSE nutzt zypper, Solus eopkg.

Explizit gewarnt wird Fedora-, Debian- und Ubuntu-Nutzer: Die Distributionsrepos liefern oft veraltete Versionen, das README empfiehlt Flatpak oder AppImage. Der Tarball-Weg läuft über tar -xvf Goverlay*.tar.xz und ./Goverlay. Ein prinzipieller Unterschied steckt im Flatpak: Es blendet hostabhängige Funktionen wie GameMode und protontricks aus, weil die Sandbox Host-Binärdateien nicht zuverlässig erkennen oder ausführen kann. Wer diese Funktionen braucht, ist mit AppImage oder Distributionspaket besser bedient.

Grenzen der GUI und der Weg über handgeschriebene MangoHud.conf

Goverlay ist ein Werkzeug für die üblichen Wege, und genau darin liegt seine Grenze. Optionen, die die Oberfläche nicht anbietet, erreicht man nicht, und das README beschreibt keinen Mechanismus, um eigene Konfigurationsabschnitte zu injizieren. In Flathub-Builds fallen zusätzlich GameMode und protontricks weg. Wer exotische MangoHud-Parameter oder besonders gefeilte vkBasalt-Filtersuiten nutzt, stößt hier an die Wand.

Die konkrete Alternative ist das Handwerk ohne GUI: MangoHud.conf und vkBasalt.conf direkt in einem Texteditor pflegen, wie es die Dokumentation der jeweiligen Werkzeuge beschreiben. Der Unterschied ist handwerklicher Natur: Die Handpflege gibt volle Kontrolle über jedes Parameterzeile, Goverlay gewinnt beim Tempo, beim Game-Mode-Ordner pro Spiel und bei der PasCube-Vorschau. Beide Wege kombinieren sich, solange man weiß, dass die GUI die Dateien besitzt, die sie erzeugt hat.

Redaktionelles Fazit

Goverlay eignet sich für Linux-Spieler, die MangoHud, vkBasalt und OptiScaler über eine Oberfläche pflegen wollen, ohne Konfigurationssyntax zu studieren. Weniger geeignet ist es, wer seine Dateien ohnehin von Hand schreibt oder auf GameMode und protontricks im Flatpak-Build angewiesen ist. Vor dem Ernstfall lohnt ein Probelauf mit der eingebauten PasCube-Vorschau und ein Blick in /tmp/bgmod.log, um zu prüfen, ob der bgmod-Befehl mit %command% im eigenen Steam-Setup greift.

Offizielle Quellen

  1. Official README
  2. Project repository
  3. Release notes
Community-Notizen

Community-Notizen