Clash Verge Rev: Die Tauri-GUI für mihomo im Überblick
Ein moderner GUI-Client auf Tauri-Basis, der für die Ausführung unter Windows, macOS und Linux entwickelt wurde und ein maßgeschneidertes Proxy-Erlebnis bietet.
Auf einen Blick
- Was ist das?
- Das Projekt clash-verge-rev/clash-verge-rev verpackt den mihomo-Kern in eine plattformübergreifende Oberfläche mit TUN-Modus, Konfigurationsverwaltung und WebDAV-Backup. Funktionen, Release-Kanäle und Schwächen.
- Für wen ist es gedacht?
- Clash Verge Rev passt für Nutzerinnen und Nutzer, die eine grafische Steuerung für einen lokalen mihomo-Kern suchen und bereit sind, Konfigurationsdetails wie TUN-Berechtigungen und Systemproxy-Verhalten selbst zu kontrollieren. Weniger geeignet ist es, wer eine fertige Ein-Klick-Lösung ohne Verständnis der Konfigurationsdateien erwartet.
- Darf ich es kommerziell nutzen?
- Ja, unter Bedingungen. GPL-3.0 ist eine Copyleft-Lizenz: Wenn Sie Software weitergeben, die sie enthält, müssen Sie deren Quellcode unter derselben Lizenz veröffentlichen. Wer sie nur intern betreibt, ohne sie weiterzugeben, löst diese Pflicht nicht aus.
- Wird es noch gepflegt?
- Ja. Das Repository hat innerhalb des letzten Tages neue Commits erhalten.
- In welcher Sprache ist es geschrieben?
- Hauptsächlich TypeScript, laut der Sprachstatistik von GitHub.
Die Antworten beruhen auf den GitHub-Daten des Projekts (zuletzt abgeglichen am 15. September 2026) und auf unserer Analyse. Sie sind keine Rechtsberatung.
TIEFGEHENDE OPEN-SOURCE-ANALYSE
Clash Verge Rev: Tauri-2-GUI für den mihomo-Kern
Clash Verge Rev ist eine Fortsetzung des ursprünglichen Projekts zzzgydi/clash-verge und beschreibt sich als moderne GUI auf Tauri-Basis für Windows, macOS und Linux. Im Zentrum steht der eingebaute Kern Clash.Meta, heute unter dem Namen mihomo im Repository MetaCubeX/mihomo gepflegt, eine regelbasierte Tunnellösung in Go. Die GUI ist in TypeScript mit einem Rust-Backend gebaut, steht unter GPL-3.0 und verzeichnet rund 140.000 Sterne bei über 10.000 Forks, was sie zu einer der größten Anwendungen dieser Art macht.
Die Architekturwahl Tauri 2 erklärt einen Teil der Popularität: Gegenüber Electron-basierten Alternativen fällt das Desktop-Paket kleiner aus, weil die Oberfläche über das native Webview des Betriebssystems läuft und Rust die Systemnahe Arbeit übernimmt. Der Standardbranch heißt dev, was die Arbeitsweise des Projekts widerspiegelt; stabile Versionen erscheinen über die Release-Seite. Das Projekt pflegt Dokumentation in sieben Sprachen, darunter die README-Varianten unter docs/ mit englischer, spanischer, russischer, japanischer, koreanischer und persischer Fassung.
Merge, Script und Syntaxhinweise in der Konfiguration
Die Konfigurationsverwaltung ist das Herzstück der Anwendung. Das README nennt Konfigurationsdatei-Management und -Erweiterung über zwei Mechanismen: Merge und Script. Merge erlaubt das Zusammenführen von Konfigurationsfragmenten mit einer bestehenden Basisdatei, Script ergänzt programmierbare Anpassungen. Dazu kommt Syntaxhinweis bei der Bearbeitung von Konfigurationsdateien, was Fehlerquellen wie falsch geschachtelte Regeln früh sichtbar macht.
Ein weiterer Punkt der Feature-Liste ist die visuelle Bearbeitung von Knoten und Regeln, also das Anpassen von Proxy-Gruppen und Regelketten über die Oberfläche statt im Texteditor. Die Darstellung lässt sich über eigene Themenfarben, Proxy-Gruppen- und Tray-Icons sowie CSS Injection anpassen, womit die Anwendung in optisch abweichende Desktop-Umgebungen integrierbar bleibt. Diese Kombination richtet sich deutlich an Nutzer, die ihre Konfiguration aktiv pflegen, nicht nur einmalig importieren.
TUN-Modus, Systemproxy und der Proxy-Guard
Auf Betriebssystemebene bietet die Anwendung laut README zwei Wirkweisen: den klassischen Systemproxy mit einer Wächterfunktion, die die Proxy-Einstellungen gegen externe Änderungen absichert, sowie den TUN-Modus über eine virtuelle Netzwerkkarte. Der Unterschied ist praktisch relevant: Der Systemproxy greift nur bei Anwendungen, die ihn respektieren, während der TUN-Modus den Verkehr auf Netzwerkschnittstellen-Ebene abfängt und damit auch Programme erfasst, die keine Proxy-Einstellungen besitzen.
Der TUN-Modus benötigt auf allen Plattformen erweiterte Berechtigungen, was die Dokumentation unter clash-verge-rev.github.io in den Installationshinweisen und FAQ-Seiten behandelt, etwa der FAQ-Seite für Windows. Genau hier liegt der typische Stolperpunkt des Alltagsbetriebs: Nach Systemupdates oder beim Wechsel zwischen TUN und Systemproxy verschieben sich Zustände, die die Wächterfunktion korrigieren soll. Wer die Anwendung fehlerfrei nutzen will, sollte nach einem Versionswechsel die Proxy-Einstellungen des Betriebssystems einmal manuell kontrollieren, statt sich allein auf den Guard zu verlassen.
Release-Kanäle: Stable, eingestelltes Alpha und AutoBuild
Das README unterscheidet drei Bezugsquellen. Stable ist die offizielle Version mit hoher Zuverlässigkeit für den Alltag. Alpha ist als Testablauf für den Releaseprozess gekennzeichnet und ausdrücklich als eingestellt (veraltet) markiert. AutoBuild ist eine rollierend aktualisierte Variante für Test-Feedback, bei der Defekte möglich sind. Für produktive Nutzung bleibt damit nur Stable, und die Versionshistorie zeigt ein ruhiges Tempo: v2.5.2 erschien am 19. Juli 2026, davor v2.5.1 am 20. Mai und v2.5.0 am 19. Mai 2026.
Die Plattformabdeckung ist in der Installationsseite benannt: Windows mit x64 und x86, Linux mit x64 und arm64 sowie macOS ab Version 11 auf Intel- und Apple-Silicon-Maschinen. Die Installationspakete liegen komplett auf der GitHub-Release-Seite; eine Paketverwaltung wie Homebrew oder winget nennt das README nicht. Mit 418 offenen Issues bei 140.000 Sternen ist die Fehlerdichte im Verhältnis zur Nutzung gering, aber die Wartung ruht auf einem Team hinter der Organisation clash-verge-rev, deren Arbeitsstand am Standardbranch dev ablesbar ist.
WebDAV-Backup und der Entwicklungsweg mit pnpm
Ein oft übersehendes Feature ist das Backup: Das README nennt WebDAV-Konfigurationssicherung und -Synchronisation, womit Konfigurationsprofile auf eigene Server oder Cloud-Speicher mit WebDAV-Schnittstelle gesichert und zwischen Maschinen übertragen werden können. Wer mehrere Geräte betreibt, umgeht damit den manuellen Export von Profildateien; die Daten liegen dabei im eigenen Speicherbereich statt bei einem Anbieter des Projekts.
Für die Entwicklung nennt das README nach Einrichtung der Tauri-Voraussetzungen drei Befehle: pnpm i, pnpm run prebuild und pnpm dev. Der Dev-Modus erhält den Zustand eines installierten Dienstes des Entwicklungskanals: Ein bestehender Dienst wird weitergenutzt, ein nie installierter bleibt deinstalliert, und die App startet dann im Sidecar-Modus. Mit pnpm dev:service installiert man explizit einen isolierten Entwicklungsdienst, mit pnpm dev:sidecard erzwingt man den unprivilegierten Sidecar-Ablauf. Diese Trennung reflektiert die Produktionssituation: TUN-Funktionalität braucht einen Dienst mit erhöhten Rechten, während der Sidecar-Modus ohne solche Rechte auskommt.
Sponsoring, Werbung im README und Lizenzfolgen
Das README enthält neben technischen Inhalten Bewerbungen externer Dienste, darunter einen Proxy-Anbieter und eine Kundenservice-Plattform, jeweils mit Werbeformulierungen wie Testtagen und Traffic-Zusagen. Diese Abschnitte sind Sponsoring-Inhalte des Projekts und nicht Teil der Software; wer das Repository liest, sollte die technischen Aussagen davon getrennt bewerten. Finanzierung läuft daneben über GitHub-Sponsors, verlinkt unter Donation.
Die GPL-3.0-Lizenz folgt aus der Herkunft des Codes vom ursprünglichen Clash Verge und bedeutet für Forks, dass abgeleitete Werke unter derselben Lizenz offengelegt werden müssen. Das Projekt selbst dokumentiert im Acknowledgement-Abschnitt seine Fundamente: zzzgydi/clash-verge als Basis, tauri-apps/tauri als Framework, Dreamacro/clash und MetaCubeX/mihomo als Kerntechnologie, Fndroid/clash_for_windows_pkg als Vorbild und vitejs/vite als Frontend-Werkzeug. Eine konkrete Alternative für Nutzer, die nur einen Kern mit minimaler Oberfläche wollen: mihomo direkt über die Kommandozeile mit eigener Konfigurationsdatei betreiben, was auf die gesamte GUI-Ebene verzichtet und weniger Angriffs- und Fehlerflächen im Austausch zwischen Dienst und Oberfläche hinterlässt.
Redaktionelles Fazit
Clash Verge Rev passt für Nutzerinnen und Nutzer, die eine grafische Steuerung für einen lokalen mihomo-Kern suchen und bereit sind, Konfigurationsdetails wie TUN-Berechtigungen und Systemproxy-Verhalten selbst zu kontrollieren. Weniger geeignet ist es, wer eine fertige Ein-Klick-Lösung ohne Verständnis der Konfigurationsdateien erwartet. Vor dem Wechsel sollte man prüfen, ob die eigene Plattform in der Release-Tabelle abgedeckt ist und ob die aktuelle Stable-Version die eigenen Konfigurationsdateien unverändert übernimmt.
Community-Notizen