ECC 2.2.0: ein Betriebssystem für Agent-Harnesses im Detail
ECC stellt Agentenfähigkeiten, Sicherheitsüberprüfungen, Speichermuster und Recherche-Workflows bereit, die darauf abzielen, Kontextverschwendung während Codierungssitzungen zu reduzieren.
Auf einen Blick
- Was ist das?
- affaan-m/ECC bündelt 68 Agenten, 286 Fähigkeiten, Hooks, Regeln, Memory und den Scanner AgentShield zu einer festen Arbeitskette für Coding-Agenten. Der Text prüft Installationswege, Harness-Unterschiede und das Finanzierungsmodell.
- Für wen ist es gedacht?
- ECC passt zu Personen, die mit Claude Code arbeiten und ihrem Agenten eine feste Reihenfolge aus Planen, Testen und Selbstprüfung mitgeben wollen, statt sie in jeder Sitzung neu zu formulieren. Die Memory-Befehle unter .ecc/memory/ lohnen zusätzlich, wenn zwischen mehreren Harnesses gewechselt wird.
- Darf ich es kommerziell nutzen?
- Ja. MIT ist eine freizügige Lizenz: Sie dürfen darauf aufbauende Software nutzen, verändern und verkaufen, solange Sie die Urheberrechts- und Lizenzhinweise beibehalten.
- Wird es noch gepflegt?
- Ja. Die letzten Commits kamen vor 1 Tag.
- In welcher Sprache ist es geschrieben?
- Hauptsächlich JavaScript, laut der Sprachstatistik von GitHub.
Die Antworten beruhen auf den GitHub-Daten des Projekts (zuletzt abgeglichen am 15. September 2026) und auf unserer Analyse. Sie sind keine Rechtsberatung.
TIEFGEHENDE OPEN-SOURCE-ANALYSE
Was ECC 2.2.0 unter einem Dach bündelt
affaan-m/ECC beschreibt sich als Betriebssystem für Agent-Harnesses. Der Satz, mit dem das README den Zweck zusammenfasst, lautet in der Sache so: Der Agent kann Code schreiben, ECC gibt ihm ein koordiniertes Engineering-System und eine Werkzeugkiste. Die Repositorysprache ist JavaScript, die Lizenz MIT, der Standardzweig main. Die jüngste erfasste Ausgabe ist v2.2.0 vom 28. August 2026, betitelt mit geführter Einrichtung, Antigravity 2.0 und der Nasiko CLI Bridge. Davor liegen v2.1.0 vom 27. Juli und v2.0.0 vom 10. Juni 2026.
Der Kern ist eine Vorgehensreihenfolge, die das Projekt in einer einzigen Zeile darstellt: plan, test, implement, review, verify, remember, improve. Anstatt diese Kette in jeder Eingabe neu aufzubauen, wird sie einmal installiert und damit Teil der Arbeitsweise des Agenten. Darüber steht im README ein Merksatz, der die Richtung vorgibt: Kontextfenster optimieren, alles Übrige dauerhaft ablegen.
Aus dieser Reihenfolge folgt ein Anspruch, der über eine Sammlung von Eingabehilfen hinausgeht. Der Agent soll vor dem Bauen planen, Änderungen mit Tests prüfen und die eigene Arbeit aus einem frischen Kontext begutachten.
Installation über /plugin marketplace add und ecc@ecc
Für Claude Code nennt das README zwei Befehle, die innerhalb von Claude Code ausgeführt werden: /plugin marketplace add https://github.com/affaan-m/ECC und anschließend /plugin install ecc@ecc. Damit sind Fähigkeiten, Agenten, Befehle und die vom Plugin verwalteten Hooks installiert. Der Text setzt danach einen deutlichen Punkt: Wer diesen Weg wählt, soll dort aufhören und nicht zusätzlich eine vollständige manuelle Installation in Claude Code durchführen.
Für Codex existiert ein eigener Synchronisationspfad. Ein Skript bewahrt vorhandene Codex-Dateien und führt ECCs AGENTS.md, Fähigkeiten, Eingaben, Agenten und Referenzkonfiguration nach ~/.codex zusammen. Alle übrigen Harnesses, darunter Cursor, OpenCode, Gemini, Zed, GitHub Copilot, Antigravity, Qwen, Hermes, OpenClaw, Kimi, CodeBuddy und JoyCode, werden über ein Skript mit den Schaltern --profile und --target bedient, also in der Form install.sh --profile ... --target ...
ECC 2.2 führt laut README eine geführte Paketeinrichtung über ecc-universal ein. Die Pakete liegen auf npm unter ecc-universal und ecc-agentshield, die Installation gelingt über npm install -g ecc-universal. Welche Profile das Skript anbietet und was sie voneinander unterscheidet, steht nicht im README-Auszug.
Vom Planen zum Erinnern: die sieben Schritte der Kette
Die sieben Schritte sind nicht gleich gewichtet. Planen steht vor dem Bauen, Änderungen werden mit Tests geprüft, und die eigene Arbeit wird aus einem frischen Kontext begutachtet. Der Teil, den viele Werkzeuge auslassen, ist der letzte: Aus wiederholten Erfolgen sollen wiederverwendbare Fähigkeiten und Abläufe entstehen, was das README als kontinuierliches Lernen bezeichnet.
Was daraus praktisch folgt, hängt daran, ob der eigene Harness die Hooks und Regeln ausführen kann, auf denen ECC aufsetzt. Genau an dieser Stelle verweist das README auf die Support-Status-Matrix, statt Funktionsgleichheit zuzusichern. Wer die Kette ernsthaft nutzen will, sollte also nicht beim Installationsbefehl aufhören.
Regeln sind nach README-Angabe immer geladene Standards, die nach Sprache oder Projekt gewählt werden. Sie unterscheiden sich damit von Fähigkeiten, die erst auf Zuruf wirken.
68 Agenten, 286 Fähigkeiten und die 94 Legacy-Befehlsshims
Die Bestandsaufnahme im README beziffert den Umfang: 68 Agenten, 286 Fähigkeiten und 94 Legacy-Befehlsshims, dazu Laufzeit-Hooks, Memory, selektive Regeln und die Sicherheitsprüfung AgentShield. Die Agenten sind auf Planung, Begutachtung, Reparatur fehlgeschlagener Builds, Sicherheit, Architektur und Fachdomänen verteilt. Die Fähigkeiten decken testgetriebene Entwicklung, Recherche, Sicherheit, Dokumentation, Frontend, Daten, maschinelles Lernen und Betrieb ab.
Die 94 verbleibenden Befehlsshims sind ein Hinweis auf einen laufenden Umbau. Das README beschreibt Befehle als bequeme Einstiegspunkte, während sich die Oberfläche in Richtung Fähigkeiten verschiebt. Wer Skripte auf die alte Befehlsoberfläche stützt, muss damit rechnen, dass dieser Weg nicht der bevorzugte bleibt. Eine Aufstellung aller Agenten und Fähigkeiten steht nicht im README, sondern im Repository.
Solche Zahlen sind eine Momentaufnahme. Sie sagen nichts darüber, wie gepflegt die einzelnen Fähigkeiten sind, und das README liefert dazu keine Alters- oder Prüfmarkierung.
Memory Vault unter .ecc/memory und ecc memory doctor
Der Unified Memory Vault wird als lokales, prüfbares Markdown-Format für dauerhaften Kontext und Übergaben zwischen Claude, Codex, Hermes, OpenClaw, Kimi und weiteren Harnesses beschrieben. Projekt- und Team-Erinnerungen liegen unter .ecc/memory/, persönliche Erinnerungen unter ~/.ecc/memory/. Die im README genannten Befehle lauten ecc memory init --scope project, ecc memory search "authentication migration" --target-harness codex und ecc memory doctor.
Aufschlussreich ist die Warnung, die das Projekt selbst anhängt: Gespeicherter Kontext gilt als ungeprüft und nicht als ausführbare Richtlinie, wichtige Behauptungen sollen gegen autoritative Quellen kontrolliert werden. Damit ist die Grenze zwischen Erinnerung und Wahrheit im Projekt selbst gezogen. Ein optionaler stdio-Server namens ecc-memory-mcp bietet dieselbe Oberfläche zum Speichern, Suchen, Lesen und Diagnostizieren, ist aber standardmäßig nicht aktiv.
Mit Version 2.1 kam Plan Canvas hinzu, eine reine Loopback-Browseroberfläche zum Prüfen eines Plans. Sie erlaubt nummerierte Anmerkungen und ein Seitenleistenchat, und das Ergebnis wird auf das CONFIRM-Tor des plan-Befehls abgebildet. Der Memory Vault selbst war zum Zeitpunkt der Erfassung laut README noch in Arbeit.
AgentShield und die Warnung vor inoffiziellen Spiegeln
AgentShield wird als Scanner für Eingaben, Hooks, MCP-Konfiguration, Berechtigungen, Secrets und Agent-Dateien beschrieben. Das ist die Komponente mit dem unmittelbarsten Nutzen für alle, die fremde Agentenkonfiguration übernehmen, denn genau an diesen Stellen sammeln sich Fehlkonfigurationen. Das README beziffert keine Erkennungsrate und nennt keine Signaturquellen, eine Aussage über die Trefferquote lässt sich daraus also nicht ableiten.
Deutlicher wird das Projekt bei der Bezugsquelle. Eine Warnung am Anfang des README listet die erlaubten Kanäle auf: das GitHub-Repository, die beiden npm-Pakete, die GitHub-App, der Plugin-Slug ecc@ecc und die Website ecc.tools. Drittanbieter-Uploads und inoffizielle Spiegel werden als nicht gewartet und nicht geprüft bezeichnet und könnten Schadcode enthalten.
Diese Warnung ist bei einem Werkzeug, das Hooks in eine Entwicklungsumgebung einhängt, keine Formalie. Wer ECC über eine Kopie unbekannter Herkunft bezieht, gibt dem Paket dieselben Rechte wie dem Original.
Support-Status-Matrix, MIT und ECC Pro ab 19 US-Dollar
Zur Unterstützung der einzelnen Harnesses macht das README eine Abstufung: Am besten funktioniert ECC heute mit Claude Code, Codex hat einen unterstützten Synchronisationspfad, und für Cursor, OpenCode, Gemini, Zed, GitHub Copilot, Antigravity, Qwen sowie weitere existieren Adapter mit eingeschränkten Fähigkeiten. Wer Funktionsgleichheit annimmt, wird ausdrücklich auf die Statusmatrix verwiesen. Das bedeutet im Klartext, dass je nach Umgebung ein unbezifferter Teil des Umfangs fehlt.
Lizenziert ist das Repository unter MIT, Copyright 2026 Affaan Mustafa. Die Klauseln erlauben Nutzung, Kopie, Veränderung, Veröffentlichung, Verteilung, Unterlizenzierung und Verkauf bei erhaltenem Hinweis, schließen aber jede Gewährleistung aus. Für ein Werkzeug, das in bestehende Entwicklungsrechner eingreift, wiegt der Haftungsausschluss schwerer als bei einer gewöhnlichen Bibliothek.
Daneben gibt es ECC Pro als gehostete GitHub-App, die laut README private Repositories ab 19 US-Dollar pro Sitzplatz und Monat erschließt. Die offene Variante bleibt kostenlos, Sponsoren und Pro-Abos finanzieren die Arbeit. Als Geldgeber nennt das README CodeRabbit, Greptile, Atlas Cloud, Moonshot AI und Itô Markets. Wie viel davon tatsächlich fließt und wie viele Personen daran arbeiten, ist nicht angegeben.
Redaktionelles Fazit
ECC passt zu Personen, die mit Claude Code arbeiten und ihrem Agenten eine feste Reihenfolge aus Planen, Testen und Selbstprüfung mitgeben wollen, statt sie in jeder Sitzung neu zu formulieren. Die Memory-Befehle unter .ecc/memory/ lohnen zusätzlich, wenn zwischen mehreren Harnesses gewechselt wird. Weniger sinnvoll ist der Einsatz dort, wo der eigene Harness nur über einen Adapter mit eingeschränkten Fähigkeiten angebunden ist, weil dann ein unbezifferter Teil der 286 Fähigkeiten fehlt. Vor der Installation gehören zwei Schritte auf die Liste: die Support-Status-Matrix im README lesen und klären, ob die Hooks von AgentShield mit der eigenen Berechtigungsstrategie vereinbar sind.
Community-Notizen