Crucix: 27 OSINT-Quellen auf einem lokalen Dashboard
Ihr persönlicher Geheimdienstagent. Beobachtet die Welt aus mehreren Datenquellen und benachrichtigt Sie, wenn sich etwas ändert.
Auf einen Blick
- Was ist das?
- Wie die JavaScript-Anwendung alle 15 Minuten offene Datenquellen parallel abfragt, was der Sweep- Zyklus liefert und wo die Grenzen ohne API-Schlüssel liegen.
- Für wen ist es gedacht?
- Crucix passt für Forschende, Journalisten und OSINT-Interessierte, die offene Datenquellen auf dem eigenen Rechner bündeln wollen, ohne Cloud-Dienst und Abo. Wer eine geprüfte Monitoring-Infrastruktur für kritische Entscheidungen braucht, wird weder von der fehlenden Audit-Historie noch von der AGPL-3.0-Network-Copyleft-Pflicht bei gehosteten Modifikationen absehen können.
- Darf ich es kommerziell nutzen?
- Ja, unter strengen Bedingungen. AGPL-3.0 ist eine Lizenz mit Netzwerk-Copyleft: Wenn andere eine veränderte Version über ein Netzwerk nutzen, etwa als gehosteten Dienst, müssen Sie ihnen den Quellcode unter derselben Lizenz anbieten.
- Wird es noch gepflegt?
- Ja. Die letzten Commits kamen vor 119 Tagen.
- In welcher Sprache ist es geschrieben?
- Hauptsächlich JavaScript, laut der Sprachstatistik von GitHub.
Die Antworten beruhen auf den GitHub-Daten des Projekts (zuletzt abgeglichen am 15. September 2026) und auf unserer Analyse. Sie sind keine Rechtsberatung.
TIEFGEHENDE OPEN-SOURCE-ANALYSE
Crucix als Intelligence-Terminal: 27 offene Quellen ohne Cloud
Crucix adressiert ein ordentliches Problem: Öffentliche Echtzeitdaten existieren reichlich, aber verteilt auf Dutzende Behörden-APIs, Forschungsinstitute und offene Feeds, die niemand einzeln prüft. Die JavaScript-Anwendung zieht Satelliten-Branderkennung, Flugverfolgung, Strahlungsdaten, Konstellations-Tracking, Wirtschaftsindikatoren, Marktpreise, Konfliktdaten, Sanktionslisten und Social-Sentiment aus 27 Open-Source-Intelligence-Feeds, parallel, alle 15 Minuten, und rendert alles in einem eigenständigen Dashboard im Jarvis-Stil.
Laut README gibt es keine Cloud, keine Telemetrie und keine Abos, der komplette Stack läuft mit node server.mjs auf dem eigenen Rechner. Das Angebot richtet sich an Forschende, Journalisten, Trader und OSINT-Analysten. Auffällig ist eine eigene Warnung im Repository: Crucix hat kein offizielles Token, keine Münze, kein NFT, keinen Airdrop und keinen Presale gestartet, alles in diese Richtung ist Fremdnutzung des Namens, und Wallets sollen nicht verbunden werden.
node server.mjs und Port 3117: Crucix lokal starten
Der Quick Start ist kurz: git clone https://github.com/calesthio/Crucix.git, npm install, cp .env.example .env mit den eigenen API-Schlüsseln, dann npm run dev. Erforderlich ist Node.js 22 oder neuer, weil der Code natives fetch, top-level await und ESM verwendet. Das Dashboard öffnet sich auf http://localhost:3117 und startet sofort seinen ersten Sweep, der alle 27 Quellen parallel abfragt und laut README 30 bis 60 Sekunden dauert. Bis dahin bleibt die Anzeige leer.
Endet npm run dev kommentarlos, rät die README zu node --trace-warnings server.mjs, weil npms Script-Runner Fehler unterschlagen kann, besonders unter PowerShell auf Windows. Für die Diagnose gibt es node diag.mjs, das die Node-Version prüft, jedes Modul einzeln importiert und die Portverfügbarkeit testet. Alternativ läuft Docker: docker compose up -d nach dem Kopieren der .env, Sweep-Daten landen per Volume-Mount in ./runs/, ein Health-Check-Endpoint gehört dazu. Danach aktualisieren Server-Sent-Events das Dashboard alle 15 Minuten von selbst.
3D-Globus, VISUALS LITE und Sweep-Delta im Crucix-Dashboard
Die Oberfläche ist ein eigenständiges HUD mit einem 3D-WebGL-Globus auf Basis von Globe.gl samt Sternenfeld und Atmosphären-Glow, umschaltbar auf eine flache Karte. Neun Markertypen verteilen sich auf beide Ansichten: Branderkennung, Luftverkehr, Strahlungsstandorte, maritime Engpässe, SDR-Empfänger, OSINT-Ereignisse, Gesundheitswarnungen, geolokalisierte Nachrichten und Konfliktereignisse, dazu animierte Flugkorridor-Bögen. Regionenfilter für Welt, Amerika, Europa, Nahost, Asien-Pazifik und Afrika drehen den Globus oder zoomen die Karte.
Der Schalter VISUALS FULL und VISUALS LITE reduziert nur das Rendering: Deko-Overlays, Scanlines und Blur-Filter verschwinden, der News-Ticker wird zur scrollbaren Liste, auf Mobilgeräten erzwingt LITE zusätzlich den Flat-Map-Modus. Datenquellen und Sweep-Abdeckung bleiben unberührt, die Präferenz landet im Browser-LocalStorage. Inhaltlich ergänzen Risikoanzeige für VIX, High-Yield-Spread und Lieferketten-Index, ein OSINT-Feed aus 17 englischsprachigen Telegram-Kanälen, Nuclear Watch über Safecast und EPA RadNet, Space Watch mit CelesTrak-Daten sowie ein Sweep-Delta-Panel, das seit dem letzten Lauf neue Signale und Eskalationsstufen zeigt.
FRED, NASA FIRMS und EIA: API-Schlüssel für die Crucix-Sweeps
Viele Quellen brauchen keine Anmeldung, laut README laufen über 18 der 27 Feeds ohne Authentifizierung. Drei kostenlose Schlüssel werden als die nützlichsten empfohlen: FRED für Wirtschaftsdaten, NASA FIRMS für Satelliten-Feuerdaten und EIA für Energieindikatoren. Optionale Schlüssel decken ACLED, AISStream und ADS-B Exchange ab, und die LLM-Anbieter kommen je nach Wunsch hinzu. Yahoo-Finance-Marktdaten brauchen gar keinen Schlüssel.
Fehlt ein Schlüssel, geben die betroffenen Quellen strukturierte Fehler zurück, und der Rest des Sweeps läuft ungestört weiter. Grenzfälle sind im Status sichtbar: OpenSky kann bei zu aggressiven Abfragen der öffentlichen Hotspots HTTP 429 liefern, Crucix zeigt diese Drosselung im Quellenstatus an, statt sie zu verschweigen. Genau dieses Panel ist der erste Prüfpunkt nach jedem Sweep, bevor man den Daten traut. Die Alternative wäre ein Bezahl-OSINT-Portal, das Curation und SLA verkauft; Crucix wählt den umgekehrten Weg, volle Datenkontrolle auf dem eigenen Rechner gegen eigene Pflege der Schlüssel und der Quellenqualität.
/brief und /sweep: Telegram- und Discord-Bots von Crucix
Gekoppelt an ein LLM wird Crucix zu einem zweirichtungsgerichteten Assistenten: Mehrstufige Warnungen mit den Stufen FLASH, PRIORITY und ROUTINE gehen an Telegram und Discord, wenn sich etwas Nennenswertes ändert. Der Telegram-Bot antwortet auf Befehle wie /status, /sweep, /brief, /portfolio, /alerts, /mute und /unmute, der Discord-Bot bietet dasselbe als Slash-Befehle mit Rich-Embeds. Für reine Push-Benachrichtigungen ohne discord.js existiert ein Webhook-Fallback.
Die optionale LLM-Schicht verbindet acht Anbieter, darunter Anthropic, OpenAI, Gemini, OpenRouter, Codex, MiniMax, Mistral und Grok, und erzeugt etwa verwertbare Handelsideen aus den kreuzkorrelierten Daten. Ohne konfiguriertes LLM springt eine regelbasierte Engine ein, die die Warnungsbewertung übernimmt, das Dashboard funktioniert also auch ohne jeden KI-Dienst. Wer sensible Abfragen nicht an einen Cloud-Anbieter geben will, lässt die Schicht einfach aus und nutzt nur Delta-Panel und Bots.
apis/briefing.mjs und Promise.allSettled: Die Crucix-Architektur
Der Code ist reines ESM mit .mjs-Dateien, Express ist die einzige Laufzeitabhängigkeit, discord.js bleibt optional. Der Orchestrator in apis/briefing.mjs feuert alle Quellenparallel über Promise.allSettled, jedes Quellenmodul exportiert eine briefing()-Funktion, die sich auch einzeln ausführen lässt. Eine Delta-Engine verfolgt Änderungen zwischen den Sweeps, und das Dashboard ist eine eigenständige HTML-Datei, die mit oder ohne Server funktioniert.
Die Lizenz ist AGPL-3.0, und ihr Network-Copyleft verlangt, dass eine modifizierte Version auf einem Netzwerkserver ihren Quellcode den Nutzern bereitstellt. Für den Hausgebrauch folgenlos, für einen öffentlich betriebenen Ableger eine echte Bedingung. Die Metadaten zeigen über 11.000 Sterne und rund 1.800 Forks, ein Release-Tag existiert nicht, das Projekt wird über den master-Zweig gefahren. Benchmarks, Sicherheitsaudits oder Support-Zusagen nennt die README nicht, das bleibt offen erkennbar eine Community-Anwendung ohne operationelle Garantien.
Redaktionelles Fazit
Crucix passt für Forschende, Journalisten und OSINT-Interessierte, die offene Datenquellen auf dem eigenen Rechner bündeln wollen, ohne Cloud-Dienst und Abo. Wer eine geprüfte Monitoring-Infrastruktur für kritische Entscheidungen braucht, wird weder von der fehlenden Audit-Historie noch von der AGPL-3.0-Network-Copyleft-Pflicht bei gehosteten Modifikationen absehen können. Vor dem produktiven Einsatz zuerst die öffentliche Demo auf crucix.live ansehen, dann mit FRED-, NASA-FIRMS- und EIA-Schlüsseln in der .env testen und den Quellenstatus nach HTTP-429-Fällen absuchen.
Community-Notizen