RetroBar: Die klassische Windows-Taskleiste zurück auf Windows 10 und 11 holen
Dieses Projekt rundet „Classic Windows 95, 98, Me, 2000, XP, Vista taskbar for modern versions of Windows.“ zu einer praxistauglichen Open-Source-Lösung zusammen, mit wiederverwendbarer Tooling- und Integrationsunterstützung für reale Anwendungsfälle.
Auf einen Blick
- Was ist das?
- Was das C#-Projekt dremin/RetroBar leistet: Taskleisten im Stil von Windows 95 bis Vista, Themes von Watercolor bis Zune, eigene XAML-Themes und die technischen Voraussetzungen dafür.
- Für wen ist es gedacht?
- RetroBar passt für Nutzer, denen das Aussehen und Verhalten der klassischen Windows-Taskleiste wichtiger ist als moderne Windows-11-Oberflächen. Es verlangt Windows 7 SP1 bis Windows 11 und das .NET Desktop Runtime.
- Darf ich es kommerziell nutzen?
- Ja. Apache-2.0 ist eine freizügige Lizenz: Sie dürfen darauf aufbauende Software nutzen, verändern und verkaufen, solange Sie die Urheberrechts- und Lizenzhinweise beibehalten.
- Wird es noch gepflegt?
- Ja. Die letzten Commits kamen vor 7 Tagen.
- In welcher Sprache ist es geschrieben?
- Hauptsächlich C#, laut der Sprachstatistik von GitHub.
Die Antworten beruhen auf den GitHub-Daten des Projekts (zuletzt abgeglichen am 14. September 2026) und auf unserer Analyse. Sie sind keine Rechtsberatung.
TIEFGEHENDE OPEN-SOURCE-ANALYSE
RetroBar und ManagedShell: Die Basis eines Taskleisten-Ersatzes
dremin/RetroBar ersetzt die moderne Windows-Taskleiste durch das klassische Layout von Windows 95, 98, Me, 2000, XP oder Vista. Das Projekt ist in C# geschrieben, steht unter Apache-2.0 und baut laut README auf der Bibliothek ManagedShell auf, von der es Kompatibilität und Leistung erhält. ManagedShell ist dasselbe Fundament, das auch das Cairo-Shell-Projekt nutzt, was dem Programm eine solide technische Basis gibt.
Die Zahlen zeigen ein lebendiges Projekt: Laut Metadaten 4337 Sterne und 338 Forks, aber auch 474 offene Issues, was bei einer Windows-Anwendung gegen die Vielfalt der Systeme zu erklären ist. Der Standardbranch ist master, die neueste Version RetroBar 1.22 (Tag v1.22.122) erschien am 2. August 2026, davor 1.21 im Oktober 2025 und 1.20 im Mai 2025.
Der Funktionskatalog geht über Kosmetik hinaus: RetroBar liefert einen nativen Benachrichtigungsbereich mit Ballon-Unterstützung, eine native Aufgabenliste mit UWP-App-Support und Drag-Umsortierung, eine Quick-Launch-Symbolleiste und einen Startbutton, der das moderne Startmenü öffnet.
Voraussetzungen: Windows-Versionen und .NET Desktop Runtime
Das README nennt vier unterstützte Systeme: Windows 7 SP1, Windows 8.1, Windows 10 und Windows 11. Bei frischen Windows-7-Installationen können zusätzliche Windows-Updates nötig sein; das Projekt verweist dafür auf das Issue #1319 im eigenen Repository. Wer alte Maschinen wiederbeleben will, sollte diesen Punkt vorab prüfen.
Die zweite Voraussetzung ist das Microsoft .NET Desktop Runtime. Bei der Installer-Variante wird es bei Bedarf automatisch heruntergeladen und installiert; wer die portable Version nutzt, bekommt beim ersten Start einen Hinweis zum Nachladen. Diese Unterscheidung ist praktisch relevant, denn die portable Variante läuft ohne Systeminstallation und eignet sich für Umgebungen, in denen Installer eingeschränkt sind.
Es gibt keinen Kommandozeilen-Installationsweg in der README; beide Varianten setzen auf grafische Verteilung über die Releases-Seite. Wer RetroBar ausprobieren will, lädt die passende Version von der Releases-Seite und startet die Anwendung direkt, ohne build-Schritte.
Verhalten statt nur Aussehen: Auto-Hide, mehrere Monitore und Eingabesprachen
Die Funktionsliste zeigt, dass RetroBar das Taskleisten-Verhalten nachbildet, nicht nur die Optik. Die Leiste lässt sich auf jeder Bildschirmseite anzeigen, selbst unter Windows 11, und ist in der Größe veränderbar mit Unterstützung für mehrere Reihen. Auch ein Auto-Hide-Modus gehört dazu, dazu unterschiedliche Darstellungen für gesperrte und entsperrte Taskleiste.
Auf Mehrmonitor-Systemen können Taskleiste, Benachrichtigungsbereich und Uhr auf allen Bildschirmen angezeigt werden. Ein eigener Punkt nennt Vista-stilistische Fensterminiaturen und einen XP-artigen, einklappbaren Benachrichtigungsbereich mit Drag-Umsortierung. Zusätzlich ist ein Umschalter für Eingabesprache und Tastaturlayout integriert, was für Mehrsprachige einen echten Funktionsgewinn gegenüber manchen schlichten Ersatzleisten bedeutet.
Die Programmsprachen decken laut README über vierzig Sprachen ab, darunter Deutsch, Französisch, Japanisch, Chinesisch in vereinfachter und traditioneller Schrift sowie weniger verbreitete wie Walisisch, Maltesisch und Luxemburgisch. Die Menüs und Dialoge erscheinen damit im Systemkontext auch auf nicht englischen Windows-Installationen korrekt.
Die mitgelieferten Themes: Von Windows 95 bis Longhorn Aero
RetroBar bringt eine umfangreiche Theme-Sammlung mit. Die Gruppe System umfasst Classic, XP und Vista; dazu kommen Watercolor, Windows 95-98, Windows Me und Windows 2000 als eigenständige Themes.
Der XP-Zweig ist am feinsten unterteilt: Classic, Blue, Olive Green, Silver, Royale, Royale Noir, Embedded Style und Zune Style. Damit sind selbst die seltenen Variationen wie das Zune-Theme abgedeckt, das nur als Sonderausgabe von Windows XP existierte. Den Abschluss bilden Windows Longhorn Aero und die drei Vista-Varianten Aero, Basic und Classic.
Wer über die mitgelieferten Themes hinausgehen will, wird auf zwei Kanäle verwiesen: Community-Themes auf DeviantArt, die unter dem Tag retrobar zu finden sind, und den Theme-Repository-Kanal im Discord-Server des Projekts. Die Auswahl reicht damit von Nachbauten bekannter Optiken bis zu eigenständigen Designs der Community, ohne dass man selbst eine Datei anfassen muss.
Eigene Sprachen und Themes: XAML in %localappdata%\RetroBar
RetroBar unterstützt eigene Sprach- und Theme-Dateien. Community-Themes lassen sich im Programm installieren über RetroBar Properties > Advanced. Wer manuell arbeiten möchte, erzeugt im Verzeichnis %localappdata%\RetroBar einen Ordner Languages oder Themes und legt dort gültige .xaml-Dateien ab.
Themes verwenden das XAML-ResourceDictionary-Format. Für eigene Themes verweist das README auf die mitgelieferten Beispieldateien im Verzeichnis RetroBar/Themes des Repositorys als Startpunkt. Wer nur Farben oder Texte anpassen will, kann auf diesem Weg ohne Eingriff in den Quellcode arbeiten und die Dateien einfach austauschen.
Ein eigener Abschnitt gilt der Kompatibilität mit Open-Shell Menu, einem verbreiteten Startmenü-Ersatz. Für das beste Zusammenspiel empfiehlt das README zwei Einstellungen: Unter Controls soll Windows Key opens auf Open-Shell Menu stehen, und unter Menu Look die Option Align start menu to working area aktiviert sein. Damit orientiert sich das Startmenü am Arbeitsbereich der RetroBar-Leiste statt an der Bildschirmkante.
Fazit: Nostalgie mit funktionaler Tiefe, aber ohne Supportgarantie
RetroBar ist mehr als ein Nostalgieobjekt: Es ersetzt die Taskleiste vollständig und liefert native Benachrichtigungen, UWP-Support, Mehrmonitor-Betrieb und eine durchdachte Theme-Infrastruktur mit XAML-Dateien in %localappdata%\RetroBar. Für Nutzer, die die klassische Leiste vermissen, ist es derzeit die ausgereifteste dokumentierte Option unter Windows 7 SP1 bis 11.
Die Grenzen liegen in der Natur des Vorhabens: Windows-Updates können das Verhalten verändern, was die 474 offenen Issues widerspiegeln, und es gibt keine Supportgarantie oder Kompatibilitätsmatrix über künftige Windows-Versionen hinaus. Das Projekt ist eine Personal-Erweiterung des Systems, kein Enterprise-Produkt.
Vor dem Alltagseinsatz lohnt eine kurze Beweisführung: Installiere Version 1.22 vom Releases-Tag, wechsle im Programm unter Properties zwischen dem XP-Blue- und dem Windows 2000-Theme, teste das Auto-Hide-Verhalten mit deinen üblichen Anwendungen und prüfe auf einem Mehrmonitor-Setup die Anzeige von Uhr und Benachrichtigungsbereich. Wer Open-Shell nutzt, stellt die beiden empfohlenen Optionen gleich mit ein, bevor er andere Ursachen für Fehlanzeigen sucht.
Redaktionelles Fazit
RetroBar passt für Nutzer, denen das Aussehen und Verhalten der klassischen Windows-Taskleiste wichtiger ist als moderne Windows-11-Oberflächen. Es verlangt Windows 7 SP1 bis Windows 11 und das .NET Desktop Runtime. Prüfe zuerst, ob die Installer-Variante auf deinem System läuft, und teste danach die Theme-Auswahl unter RetroBar Properties, bevor du eigene XAML-Dateien in %localappdata%\RetroBar ablegst.
Community-Notizen